Legen Menschen Wert auf ihre Privatsphäre? mit Edward Snowden

Edward Snowden

Legen Menschen Wert auf ihre Privatsphäre? mit Edward Snowden


Am 25. März 2016 veranstaltete die University of Arizona das Event „Unterhaltung über Privatsphäre“ mit Edward Snowden, Noam Chomsky und Glenn Greenwald. Aufgrund der Bedeutung dieses Ereignisses für unsere Freiheit übersetzen wir die Veranstaltung sukzessive und sinngemäß ins Deutsche. Teil 3 setzt die Unterhaltung über Datenschutz und Privatsphäre zwischen NSA-Aufdecker Edward Snowden, Pulitzer-Preis Gewinner Glenn Greenwald und dem renommierten Linguisten und Politologen Noam Chomsky fort.

Unter anderem geht es um diese wichtigen Fragen:

  • Kümmern sich die Menschen um Privatsphäre?
  • Hat die Technologie unseren Datenschutz verbessert oder beschädigt?
  • Welche Auswirkungen hatten die NSA-Enthüllungen auf die Gesellschaft?

VIDEO: Legen Menschen Wert auf ihre Privatsphäre?


Für die vollständige Abschrift, klicken Sie hier.


Für Teil 1 der Unterhaltung, klicken Sie hier.

Für Teil 2 der Unterhaltung, klicken Sie hier.

Für mehr Videos von und mit Glenn Greenwald besuchen Sie unsere YouTube-Playlist. Um unsere gesamte Video-Playlist von Noam Chomsky zu sehen, klicken Sie hier.


Auszüge aus dem Video:

Edward Snowden über die individuelle Wichtigkeit der Privatsphäre:

„Ich würde sagen, dass es vom Individuum abhängt, weil Privatsphäre und die eigenen Gefühle und Vorstellungen von Natur aus immer etwas Individuelles sind. Man kann versuchen, davon etwas abzuleiten, oder gruppenbasierte Umfragen durchzuführen. Doch zu sagen, dass Privatsphäre keinen Wert besitze, und das sogar für die Mehrheit, ist nicht wirklich wesentlich, selbst wenn das wirklich der Fall wäre. Wie gesagt, Rechte dienen nicht der Mehrheit. Rechte existieren, um die Minderheit vor der Mehrheit zu beschützen. Doch selbst in diesem Kontext, wenn wir diesen Punkt einmal beiseitelassen, würde ich sagen, dass vielen Menschen ihre Privatsphäre sehr wohl am Herzen liegt, und das mehr als je zuvor, weil ihnen nicht klar gewesen ist, dass sie bedroht war. Sie wussten nicht, dass sie beobachtet wurden. Wie Sie bereits gesagt haben, haben wir Umfragen gesehen, laut denen sich Menschen heute immer mehr um den Schutz ihrer Privatsphäre kümmern, sie sind vorsichtiger, sie sind besorgt über die Überwachung, die stattfindet. Denken wir einmal darüber nach, warum das der Fall ist. Es gibt diese traditionelle Ansicht, die wir geerbt haben, dass manche menschlichen Interaktionen keine Spuren hinterlassen. Sie finden ohne Aufzeichnungen statt und sind flüchtiger Natur. Es handelt sich um Erfahrungen, die sich nur zwischen einem selbst und seinem Partner oder seinem Pfarrer abspielen. Die Rede war auch immer von der Privatsphäre im eigenen Zuhause: Die Dinge, die sich in diesen Vier Wänden abspielen, bleiben nur zwischen dir und deinem Gott, falls du an einen glaubst.“
Glenn Greenwald über die Rolle der großen Silicon Valley-Unternehmen:
„Als ich die Archive, die Ed mir gegeben hat, zum ersten Mal gelesen habe, war die umfassende Komplizenrolle, die diese Firmen im Überwachungsstaat der USA einnahmen, eines der Dinge, die für mich am bemerkenswertesten waren. Es gibt da eine hilfreiche Grafik von Ed, die gerade wie von Zauberhand erschienen ist: Darauf sind alle Firmen, die Teil des PRISM Programms waren, zu sehen, und der Zeitpunkt ihres Beitritts. Sie zeigt so ziemlich jede führende Firma im Silicon Valley. Und sie haben nicht nur im Rahmen des Gesetzes kooperiert, sondern gingen sogar noch weiter. Es gab Dokumente darüber, wie Microsoft sich mit der NSA getroffen hat, um ihnen dabei zu helfen, Hintertürchen in Skype einzubauen, während sie der Öffentlichkeit gleichzeitig versprachen, dass Skype undurchdringbar sei. Und der Grund für diese maßgebliche Komplizenschaft ist, dass sie unter völliger Geheimhaltung stattgefunden hat, und niemand davon wusste, es für sie also keine Kosten verursachte. Als wir diese Aktivitäten und die Komplizenschaft dieser Unternehmen mit der Regierung in den Blickpunkt stellen konnten, hat sich das alles von Grund auf verändert. Nicht, weil diese Firmen sich plötzlich dazu entschieden hätten, dass ihnen eure Privatsphäre doch am Herzen liegt – das tut sie noch immer nicht. Neu ist ihre Angst, dass sie die aktuelle oder die nächste Generation der Internetnutzer an Social-Media-Unternehmen in Korea, Brasilien oder Deutschland verlieren, wenn sie als Kollaborateure der NSA betrachtet werden, weil die sagen könnten „gebt eure Daten nicht Facebook und Apple, weil die sie an die NSA weitergeben. Gebt sie stattdessen uns.““
Noam Chomsky über den Einfluss der sozialen Medien:
„…um es an einem echten Fall zu beschreiben: Wenn ein Teenager morgen eine Prüfung hat und sagt: „Wow, 200 Freunde haben mir viel Glück gewünscht, seht euch nur mein tolles Sozialleben an,“ finde ich, dass dabei etwas ziemlich falsch läuft. Es erinnert mich an etwas, das ich lange vor dem Internetzeitalter erlebt habe. Als ich 10 Jahre alt war hatte ich einen Freund, der in unserem kleinen Freundeskreis eine ziemliche Lachnummer war, weil er ein Notizbuch mit den Namen seiner Freunde führte. Und er erzählte uns stolz, dass er 100 Freunde hatte, was bedeutete, dass er gar keine Freunde hatte.“

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