{"id":4679,"date":"2018-10-06T12:10:13","date_gmt":"2018-10-06T10:10:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.actvism.org\/?p=4679"},"modified":"2020-11-06T17:48:49","modified_gmt":"2020-11-06T16:48:49","slug":"griechenland-finanzkrise-ernst-wolff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.actvism.org\/en\/opinions\/griechenland-finanzkrise-ernst-wolff\/","title":{"rendered":"Greece and the Lie of &#8220;Recovery&#8221; from the Financial Crisis"},"content":{"rendered":"<div class=\"container\">\n<div class=\"row justify-content-md-center\">\n<div class=\"col-md-8 pb-3\">\n<p><em>Due to limited financial &amp; technical resources as a non-profit and volunteer-based organization, we were unable to translate the following content into English. <\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Griechenland und die L\u00fcge von der \u201e\u00fcberwundenen\u201c Finanzkrise<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p>Von Ernst Wolff<\/p>\n<hr \/>\n<p>Wer in der vergangenen Woche die Vorg\u00e4nge im griechischen Bankensystem verfolgte, der rieb sich verwundert die Augen: Die vier gr\u00f6\u00dften Geldinstitute \u2013 Pir\u00e4us Bank, Eurobank, Alpha Bank und National Bank \u2013 erlebten an der Athener B\u00f6rse ein wahres Erdbeben.<\/p>\n<p>Seit Anfang September hatte es im Bankensektor des Landes bereits gekriselt, doch in den ersten Oktobertagen versch\u00e4rfte sich die Situation dramatisch: Die vier Institute mussten Einbu\u00dfen von bis zu vierzig Prozent hinnehmen, der Aktienkurs der Pir\u00e4us Bank brach um fast 30 Prozent ein, der Athener Bankenindex fiel auf den tiefsten Stand seit 31 Monaten.<\/p>\n<p>Wie konnte das sein? War Griechenland nicht erst im August unter gro\u00dfem Beifall der Politik aus dem Euro-Rettungsschirm entlassen worden? Und hatten die vier Gro\u00dfbanken nicht erst im Mai einen Stresstest der EZB bestanden?<\/p>\n<p><strong>Stresstests: PR-Instrument der EZB<\/strong><\/p>\n<p>In der Tat sind gerade einmal sechs Wochen vergangen, seit EU-Pr\u00e4sident Tusk dem griechischen Volk mit den Worten \u201eIhr habt es geschafft!\u201c per Twitter zur R\u00fcckkehr an die internationalen Finanzm\u00e4rkte gratulierte und EU-Finanzkommissar Moscovici von einem &#8220;symbolischen Schlussstrich unter eine existenzielle Krise des Euro-W\u00e4hrungsgebiets&#8221; sprach. Und es ist nicht einmal ein halbes Jahr her, dass die EZB den vier systemrelevanten griechischen Gro\u00dfbanken attestiert hatte, auch schwere Turbulenzen ohne gr\u00f6\u00dfere Sch\u00e4den \u00fcberstehen zu k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Wer allerdings meint, dass derartige Stresstests irgendeine Aussagef\u00e4higkeit \u00fcber den tats\u00e4chlichen Zustand von Geldinstituten haben, der sei daran erinnert, dass die griechischen Banken in den vergangenen acht Jahren dreimal bankrott gegangen sind \u2013 und jedes Mal vorher die Stresstests der EZB bestanden haben.<\/p>\n<p>Im Grunde\u00a0 sind solche Tests nichts anderes als ein PR-Instrument, mit dem die EZB die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den wahren Zustand des Finanzsystems hinwegt\u00e4uscht. Selbst wenn sie mit gr\u00f6\u00dfer Sorgfalt und Ernsthaftigkeit durchgef\u00fchrt w\u00fcrden, w\u00e4re ihr Ergebnis weitgehend unbrauchbar, und zwar aus folgendem Grund: Mehr als vierzig Prozent der Bankgesch\u00e4fte werden heute von unregulierten Schattenbanken, haupts\u00e4chlich von Hedgefonds, get\u00e4tigt und die Gro\u00dfbanken haben den riskantesten Teil ihrer Gesch\u00e4fte l\u00e4ngst in diesen Bereich ausgelagert. Insbesondere der Handel mit hochriskanten Derivaten entzieht sich fast g\u00e4nzlich jeder Kontrolle, da es sich um sogenannte \u201eOver-the-Counter-Gesch\u00e4fte\u201c handelt, die in den Bilanzen der Geldh\u00e4user gar nicht auftauchen. Kein Wunder also, dass die Ergebnisse der Stresstests im Grunde wertlos sind.<\/p>\n<p>Sogar ein Laie w\u00fcrde bei einem Blick auf die Bilanzen der griechischen Gro\u00dfbanken skeptisch werden: Diese Geldh\u00e4user hielten zur Jahresmitte 2018 faule Kredite (Kredite, die seit mindestens 90 Tagen nicht mehr bedient wurden oder ausfallgef\u00e4hrdet sind) in H\u00f6he von 88,6 Mrd. Euro in ihren B\u00fcchern \u2013 ein Wert, der knapp der H\u00e4lfte aller ausgereichten Darlehen entspricht und den von der EU geforderten H\u00f6chstwert um das Neunfache \u00fcbertrifft!<\/p>\n<p><strong>Krise \u00fcberwunden? Auf keinen Fall&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Was die Entlassung Griechenlands aus dem EU-Rettungsschirm betrifft, so reicht auch hier ein Blick auf Zahlen und Fakten, um der Euphorie der EU-B\u00fcrokraten jegliche Glaubw\u00fcrdigkeit abzusprechen: Griechenland hat seine Probleme seit 2010 bereits dreimal nur mit fremder Hilfe \u00fcberstanden und innerhalb von acht Jahren Kredite von insgesamt 289 Mrd. Euro aufgenommen. Der Schuldenberg des Landes liegt inzwischen bei rund 180 Prozent der Wirtschaftsleistung &#8211; der mit Abstand h\u00f6chste Wert in Europa.<\/p>\n<p>Um die Illusion einer R\u00fcckzahlung aufrecht zu erhalten, haben die Gl\u00e4ubiger des Landes die Schulden immer weiter gestreckt. So haben die Kredite des Europ\u00e4ischen Rettungsfonds ESM mittlerweile eine Restlaufzeit von 32 Jahren, die EFSF-Kredite wurden im Juni dieses Jahres sogar bis 2060 auf 42 Jahre verl\u00e4ngert. Au\u00dferdem wurden Zinszahlungen, die eigentlich f\u00fcr 2022 angesetzt waren, um weitere 10 Jahre bis Ende 2032 gestundet.<\/p>\n<p>All das ist nichts anderes als unseri\u00f6se Zahlenakrobatik, mit der das Eingest\u00e4ndnis, dass Griechenland und seine Banken l\u00e4ngst hoffnungslos bankrott sind, umgangen wird. Warum? Weil Griechenlands Finanzsektor ein Teil des v\u00f6llig au\u00dfer Kontrolle geratenen internationalen Finanzcasinos ist und weil ein Bankrott wegen der engen Verflechtung griechischen und ausl\u00e4ndischen Kapitals und wegen der unkalkulierbaren Risiken f\u00fcr den Euro und im Derivatebereich mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Einbruch des gesamten Systems f\u00fchren w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>Die Aussichten: Katastrophal&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Wie wird es weitergehen? Die Regierung in Athen arbeitet bereits zusammen mit dem\u00a0Euro-Rettungsschirm ESM\u00a0und dem griechischen Bankenverband an einem \u201eInterventionsplan\u201c, also einem klassischen Bail-Out mit Hilfe von Steuergeldern aus der EU. Ein von der EU mittlerweile vorgeschriebener Bail-in (also die Beteiligung von Anteilseignern, Anlegern und Aktion\u00e4ren wird offenbar gar nicht erst erwogen, weil man die politischen und sozialen Konsequenzen f\u00fcrchtet.<\/p>\n<p>Zudem versuchen die in Schieflage geratenen Banken die faulen Kredite derzeit zu b\u00fcndeln und zu Niedrigpreisen zu verscherbeln. Zwar gibt es gen\u00fcgend Hedgefonds, die bereits darauf warten, zu Minipreisen zuzugreifen. Das aber wird den Markt zus\u00e4tzlich schw\u00e4chen und eine weitere Spirale nach unten in Gang setzen.<\/p>\n<p>Gel\u00f6st werden die Probleme Griechenlands also auf keinen Fall, aber zwei Dinge sind schon jetzt sicher: Die n\u00e4chsten Hilfszahlungen werden kommen m\u00fcssen, und bezahlen wird daf\u00fcr in erster Linie die arbeitende griechische Bev\u00f6lkerung, von der 35 Prozent bereits an oder unter der Armutsschwelle lebt, deren Mittelschicht inzwischen von einer Steuerlast von bis zu 75 Prozent erstickt wird und deren Senioren im Januar eine weitere (die 23.) Rentenk\u00fcrzung, diesmal um 18 Prozent, werden hinnehmen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Egal, von welcher Seite aus man die Entwicklung in Griechenland betrachtet: Was sich dort abspielt, ist nichts anderes als eine von der Regierung in Zusammenarbeit mit ungew\u00e4hlten B\u00fcrokraten der EU und der EZB organisierte vors\u00e4tzliche und kriminelle Insolvenzverschleppung zugunsten der internationalen Finanzindustrie auf Kosten der Mittelschicht und der schw\u00e4chsten Teile der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Anmerkung: Dieser Bericht spiegelt nicht unbedingt die redaktionelle Haltung von acTvism Munich wieder. <\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p>Um unsere informative Videoreihe mit Ernst Wolff\u00a0 \u00fcber das Finanzsystem zu sehen,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.actvism.org\/?s=ernst+wolff&amp;x=0&amp;y=0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">klicken Sie hier.\u00a0<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<h2>Video-Empfehlung 1: Wie bankrotte Banken heute die Wirtschaft beherrschen | Yanis Varoufakis<\/h2>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Bankrottokratie \u2013 Wie bankrotte Banken heute die Wirtschaft beherrschen | Yanis Varoufakis\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/geJlvTf7BDc?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<div class=\"fluid-width-video-wrapper\"><\/div>\n<hr \/>\n<h2>Video-Empfehlung 2: Das Finanzsystem \u2013 Gefahren &amp; L\u00f6sungen | Ernst Wolff<\/h2>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Das Finanzsystem \u2013 Gefahren &amp; L\u00f6sungen | Mit Journalist Ernst Wolff\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Uf4jB7Xd9i8?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<div class=\"fluid-width-video-wrapper\"><\/div>\n<hr \/>\n<h2>Spenden Sie, um unabh\u00e4ngige Medien zu unterst\u00fctzen!<\/h2>\n<p lang=\"de-DE\"><a href=\"https:\/\/www.actvism.org\/donate\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Klicken Sie hier oder auf das Bild.<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<h2><a href=\"https:\/\/www.actvism.org\/donate\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-4451 size-full\" src=\"https:\/\/www.actvism.org\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/28_acTVism_Webseite_Donation-Image_DE_700x233px_Zukunft.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" srcset=\"https:\/\/www.actvism.org\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/28_acTVism_Webseite_Donation-Image_DE_700x233px_Zukunft.jpg 700w, https:\/\/www.actvism.org\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/28_acTVism_Webseite_Donation-Image_DE_700x233px_Zukunft-300x100.jpg 300w\" width=\"700\" height=\"233\" \/><\/a><\/h2>\n<hr \/>\n<h2>\u00dcBER ERNST WOLFF<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.actvism.org\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/foto.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1818 size-thumbnail alignleft\" src=\"https:\/\/www.actvism.org\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/foto-150x150.jpg\" alt=\"Ernst Wolff\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><strong>Ernst Wolff<\/strong>, Jahrgang 1950, wuchs in S\u00fcdostasien auf, hat in Deutschland die Schule besucht und in den USA studiert. Er war u. a. als Journalist, Dolmetscher und Drehbuchautor t\u00e4tig. F\u00fcr Wolff ist die Wechselbeziehung von Wirtschaft und Politik, mit der er sich seit vier Jahrzehnten besch\u00e4ftigt, von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung. \u201eDie Finanzkrise von 2008 und die Eurokrise waren nur die ersten Vorboten eines aufziehenden globalen Finanz-Tsunamis, in dem der IWF und seine Verb\u00fcndeten auch in Europa zu Ma\u00dfnahmen greifen werden, die wir uns heute noch nicht vorstellen k\u00f6nnen\u201c, so Wolff. Der Titel seines letzten Buches lautet: \u201e<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Finanz-Tsunami-globale-Finanzsystem-alle-bedroht\/dp\/394131081X\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Finanz-Tsunami: Wie das globale <\/a>Finanzsystem<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Finanz-Tsunami-globale-Finanzsystem-alle-bedroht\/dp\/394131081X\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> uns alle bedroht<\/a><span lang=\"de-DE\">.\u201c<\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Due to limited financial &#038; technical resources as a non-profit and volunteer-based organization, we were unable to translate the following content into 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