Noam Chomsky, Edward Snowden & Glenn Greenwald reden über Terrorismus und Massenüberwachung

Noam Chomsky, Edward Snowden & Glenn Greenwald reden über Terrorismus und Massenüberwachung


Das folgende Video ist die deutsche Übersetzung und Synchronisierung des vierten Teils einer Veranstaltung mit dem Titel „Eine Unterhaltung über Privatsphäre“, die vom College of Social and Behavioral Sciences der University of Arizona organisiert worden ist. Dort waren Edward Snowden, Glenn Greenwald und Noam Chomsky zu Gast.

In diesem Teil werden die folgenden Fragen besprochen:

  • Wie können wir den zunehmenden Terrorismus effektiv bekämpfen und dabei unsere Privatsphäre und unsere Bürgerrechte schützen?
  • Hilft der NSA-Apparat dabei, Terrorismus zu verhindern?
  • Berichten die Massenmedien über die Gründe, warum Terrorismus zunimmt?

VIDEO: Noam Chomsky, Edward Snowden & Glenn Greenwald reden über Terrorismus und Massenüberwachung


 Für die vollständige Abschrift, klicken Sie hier.


Klicken Sie auf die folgenden Links, um die ersten Teile der Unterhaltung zu sehen: Teil 1, Teil 2 und Teil 3.

Für mehr Videos mit Glenn Greenwald, besuchen Sie unsere Youtube-Playlist.

Um unsere gesamte  Video-Playlist mit Noam Chomsky zu sehen, klicken Sie hier.


Notiz zur kommenden acTVism Veranstaltung:

Der NSA-Whistleblower Edward Snowden bestätigte seine Teilnahme (via Video-Konferenz) für das kommende acTVism Munich Event „Freiheit & Demokratie – Globale Themen im Kontext” im Muffatwerk in München. Für dieses Event wollen wir führende Experten zusammenbringen, um die Verbindungen zwischen unterschiedlichen Problemen und die Funktionsweise des Systems zu diskutieren. Wir glauben, dass wir nur zu brauchbaren Lösungen kommen können, wenn die Öffentlichkeit über die prinzipiellen und strukturellen Fehler des Systems informiert wird. Klicken Sie hier, um mehr über die Veranstaltung zu erfahren.


Auszüge aus dem Video:

Noam Chomsky über Ursachen und Auswirkungen des Terrorismus:

„Wenn wir einmal 15 Jahre zurückdenken, zum Beginn des sogenannten “Kriegs gegen den Terror”, dann war das, was wir Terrorismus nennen, auf einen kleinen Bereich beschränkt, den wir AFPAK nennen – Afghanistan und Pakistan. Wo ist er jetzt? Auf der ganzen Welt. Jedes Mal, wenn er mit einem Vorschlaghammer getroffen wird, breitet er sich aus. Beispielsweise bei der Invasion des Irak. Eine der Auswirkungen war, dass Terrorismus im darauffolgenden Jahr ums Siebenfache angestiegen ist. Nachrichtendienste hatten vorhergesagt, dass sie zu mehr Terrorismus führen würde, doch das überstieg die Prognosen bei Weitem. Und es dauert an. Doch es gibt noch eine andere Möglichkeit, und zwar den Versuch, die Wurzeln und Ursachen zu ergründen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Das ist nicht dramatisch oder aufregend, aber es würde funktionieren. Und es wurden viele Untersuchungen dazu angestellt, die uns erklären, warum sich Menschen dem Terrorismus verschreiben. Nehmen wir Brüssel oder Paris. Die Terrorangriffe wurden von Menschen verübt, die in den Slums oder ärmlichen Vororten gelebt haben oder aufgewachsen sind. Junge Menschen, die erniedrigt, entwürdigt und ohne Hoffnung gelebt haben, manche davon aus Ländern in Nordafrika, wo sie seit Jahrhunderten den brutalen europäischen Grausamkeiten ausgesetzt waren…junge Menschen, die etwas in ihrem Leben erreichen wollten. Sie wollten etwas Würde, etwas Hoffnung, etwas Aufregung, etwas, auf das sie sich freuen konnten, doch in ihren eigenen Gesellschaften würden sie das nicht finden. Die meisten von ihnen hatten sehr wenig mit dem Islam zu tun, einige haben zum Islam gefunden. Okay, das gab ihnen einen Anlass. Den können wir noch vergrößern, wenn wir der ISIS-Strategie folgen, oder wir können uns die Grundursachen ansehen und versuchen, uns mit ihnen auseinanderzusetzen. Sehen wir uns die Briten in Nordirland an. Terrorismus in England war für lange Zeit eine wirklich ernstzunehmende Sache, viel mehr, als heute. Zum Glück haben sie darauf nicht mit einer Flächenbombardierung Nordirlands reagiert, wie Ted Cruz das gefordert hat. Nachdem sie eine lange Zeit das Falsche getan und mit Gewalt reagiert hatten, begannen sie, über die Gründe und Ursachen nachzudenken, und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Und es hatte kein Paradies zur Folge, doch es machte einen großen Unterschied aus.“

Glenn Greenwald über den Terrorismus als Rechtfertigung für die Massenüberwachung:

„Lassen Sie mich nur kurz einige spezifische Punkte in Bezug auf Terrorismus und Überwachung ansprechen. Zunächst gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen der gezielten und der Massenüberwachung. Niemand bestreitet die Legitimität von Terror-bezogener Überwachung. Dass man die Kommunikation von Individuen überwacht, die aus gewissen Gründen unter Verdacht stehen, Gewaltakte gegen Zivilisten zu planen. Wenn die amerikanische Regierung nur das getan hätte, hätten Sie den Namen Edward Snowden nie kennengelernt und es hätte nie einen Leak gegeben. Doch genau das haben sie nicht getan. Stattdessen gibt es eine Massenüberwachung. Sie haben das größte System der verdachtsunabhängigen Überwachung in der Menschheitsgeschichte erschaffen, in dem sie nicht bestimmte Individuen, die wahrscheinlich in Terrorismus involviert sind, im Fokus dieser äußerst invasiven Musterung haben, sondern hunderte Millionen von Menschen, ganze Bevölkerungen. Etwas, das mir beim Lesen dieser Dokumente sofort auffiel, war, wie wenig von ihnen auch nur das Geringste mit Terrorismus zu tun hatten. Wie Professor Chomsky vorhin gesagt hat, ist man beim Lesen dieser Dokumente schockiert, wie wenig sie mit der nationalen Sicherheit zu tun haben.“

Edward Snowden über die tatsächlichen Gründe für Massenüberwachung:

„Wenn wir uns das tatsächliche Vorgehen von Geheimdiensten ansehen, die diese Programme genutzt haben, sehen wir, dass Gerichte nach 2013 herausgefunden haben, dass sie zur Ausspionierung von Nichtregierungsorganisationen und Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty verwendet worden sind. Sie zeichneten die E-Mails von Journalisten auf. Diese Programme gingen über die Terrorbekämpfung hinaus und zeichneten Webcam-Bilder etwa vom Yahoo Video Chat auf. Von jedem, ohne jeglichen Verdacht auf Kriminalität. Es könnte der Laptop in eurem Schlafzimmer sein. Und sie behielten diese Daten, obwohl sie wussten, dass darin zahlreiche Aufzeichnungen von sexuellen Aktivitäten und anderen, extrem privaten Aktivitäten zu finden waren, die in der Datenbank gespeichert waren und von Analysten durchsucht wurden, und sie taten nichts.“


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