Ray McGovern: Putin-Obama Vertrauen schwindet

INSTAGRAM
RSS
FACEBOOK
FACEBOOK
TWITTER
Visit Us
YOUTUBE
YOUTUBE

Ray McGovern: Putin-Obama Vertrauen schwindet


Der folgende Artikel ist die Übersetzung eines Gastbeitrags des ehemaligen CIA-Auswerters Ray McGovern aus der Tageszeitung Baltimore Sun, Baltimore, Maryland, vom 30.Oktober 2016.


Putin-Obama Vertrauen schwindet

Wie hat sich das „wachsende Vertrauen“, von dem der russische Präsident Vladimir Putin einmal gesagt hat, dass es sein „Arbeits- und persönliches Verhältnis zu Präsident Obama“ kennzeichne, in das heutige tiefe Misstrauen und Säbelrasseln verwandelt?

Ihr Verhältnis erreichte ihren Höhepunkt, nachdem Herr Putin Syrien überzeugt hatte, seine chemischen Waffen zur kontrollierten Vernichtung freizugeben. Das gab Herrn Obama die Möglichkeit, die Pläne für einen Angriff auf Syrien im Spätsommer 2013 einigermaßen elegant in der letzten Sekunde abzusagen. Aber auf einer internationalen Konferenz letzte Woche im russischen Urlaubsort Sotschi am Schwarzen Meer sprach Herr Putin vom „fiebrigen“ Zustand der internationalen Beziehungen, und klagte: „Meine persönlichen Vereinbarungen mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten haben keine Ergebnisse erbracht.“ Er beschwerte sich über „Leute in Washington, die bereit sind, alles mögliche zu tun, um die Umsetzung dieser Vereinbarungen zu verhindern“, und verurteilte mit Bezug auf Syrien das Fehlen einer „gemeinsamen Front gegen den Terrorismus nach derartig langen Verhandlungen, gewaltigen Anstrengungen und schwierigen Kompromissen“.

Einen Monat zuvor hatte der russische Außenminister Sergey Lavrov, der seine Worte mit Bedacht wählt, dem russischen Fernsehpublikum gesagt: „Mein guter Freund John Kerry (…) steht unter heftiger Kritik aus der amerikanischen Militärmaschine. Trotz [Herrn Kerrys] Versicherungen, dass der US-Oberbefehlshaber, Präsident Barack Obama, ihn bei seinen Kontakten mit Russland unterstütze (das hat er während seines Treffens mit Präsident Vladimir Putin bestätigt), hört das Militär anscheinend nicht wirklich auf den Oberbefehlshaber.“

Das sollte man nicht für Verfolgungswahn halten. Die Luftangriffe der US-geführten Koalition auf bekannte Stellungen des syrischen Heeres, die etliche Dutzende Soldaten gerade fünf Tage nach Beginn der Waffenruhe im September getötet haben — ganz zu schweigen von zeitgleichen Verlautbarungen der obersten US-Generalität — waren Beweis genug, um die Russen davon zu überzeugen, dass das Pentagon darauf aus war, eine echte Zusammenarbeit mit Russland zu sabotieren. Das Verhältnis zwischen dem amerikanischen und dem russischen Präsidenten hat jetzt einen Tiefpunkt erreicht, und Herr Putin hat sein eigenes Verteidigungsministerium angewiesen, den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Am 6. Oktober sagte der Sprecher des Ministeriums, Generalmajor Igor Konaschenkow, dass Russland bereit sei, unbekannte Flugzeuge — einschließlich eventueller Tarnkappen¬flugzeuge — über Syrien abzuschießen, und warnte drohend, dass die russische Luftabwehr nicht die Zeit haben werde, den Ursprung des Flugzeugs festzustellen.

Es scheint im Bereich des Möglichen, dass die US-Luftwaffe diese Behauptung zu gegebener Zeit testen wird – vielleicht sogar ohne vorher um Genehmigung durch das Weiße Haus zu ersuchen. Vergangene Woche bemerkte der Chef der US-Nachrichtendienste und frühere Luftwaffengeneral James Clapper beiläufig: „Ich würde es ihnen schon zutrauen, ein amerikanisches Flugzeug abzuschießen, (…) wenn sie denken, es gefährde ihre Truppen am Boden.“

Zusätzliche Unsicherheit bekommt die Lage dadurch, dass führende Nachrichtenkanäle die Warnungen Russlands herunterspielen oder ausblenden. Falls die russische Luftabwehr ein Flugzeug der USA oder der Koalition abschießt, werden dieselben Medien den Abschuss als nackte Aggression aus dem Nichts darstellen; deshalb darf man erwarten, dass US-Amerikaner¬, die sich auf die Massenmedien verlassen, entsprechend entsetzt wären.

Währenddessen erklärte Verteidigungsminister Ashton Carter Journalisten in Europa beim Treffen der NATO-Verteidigungsminister in Brüssel am Mittwoch, dass die USA als „wichtiges Zeichen des amerikanischen Engagements, die Abschreckung hier zu verstärken, (…) eine Panzerbrigade als dauerhaft rotierende Kampfgruppe“ stellen werde.

„Das war eine Entscheidung, die von den Führern des Bündnisses in Warschau getroffen wurde“, erklärte er mit Bezug auf das Gipfeltreffen der NATO im Juli in der polnischen Hauptstadt. „Die Vereinigten Staaten werden ein Bataillon in Polen führen, und eine vollständige kampfbereite Bataillonseinsatzgruppe von ungefähr 900 Soldaten aus dem in Deutschland stationierten Zweiten Motorisierten Regiment („2nd Cavalry Regiment“) dislozieren.“ Auf der Valdai-Tagung im russischen Urlaubsort Sotschi am Schwarzen Meer am Donnerstag warf Präsident Putin dem Westen vor, den “Mythos” einer „russischen militärischen Bedrohung“ zu fördern. Er nannte das ein „profitables Geschäft“, das man nutzen könne, „um Verteidigungsetats aufzublähen (…), die NATO auszudehnen und ihre Infrastruktur, Militäreinheiten und Waffen näher an unsere Grenzen heranzubringen“.

Ob Mythos oder nicht, der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte recht, als er im vergangenen Frühjahr darauf verwies, es führe zu weniger regionaler Sicherheit, wenn man  sich an den Grenzen Russlands militärisch positioniere. Herr Steinmeier warnte vor „Säbelrasseln“, und fügte hinzu: “Wir sind gut beraten, keine Vorwände für eine neue, alte Konfrontation frei Haus zu liefern.” Apropos „Vorwände“: es wird höchste Zeit anzuerkennen, dass die deutliche Zunahme der Spannungen zwischen Ost und West in den vergangenen zweieinhalb Jahren auf den vom Westen unterstützten Staatsstreich in Kiew am 22. Februar 2014 und die russische Reaktion darauf in Form der Annexion der Krim zurückgehen. US-Amerikaner¬, die von dem, was ihnen die Leitmedien vorsetzen, falsch informiert werden, leben in seliger Unwissenheit darüber, dass YouTube zwei Wochen vor dem Putsch eine Aufnahme eines abgehörten Gesprächs zwischen der Abteilungsleiterin im US-Außenministerium, Victoria Nuland, und dem US-Botschafter in Kiew veröffentlicht hat. Darin wurde „Jaz“ (Arsenij Jazenjuk) als Washingtons Kandidat für den neuen Premierminister der Putschregierung in Kiew genannt.

Diese einzigartigen Umstände veranlassten George Friedman, den Vorsitzenden der US-Denkfabrik STRATFOR, den Putsch in Kiew am 22. Februar 2014 als „wirklich den dreistesten Putsch der Geschichte“ zu bezeichnen.

Es wird Zeit, dass westliche Politiker und Medien ihre Lektion lernen, und auf die Verlautbarungen aus Russland achten. Fragen Sie sich: Ist dies alles nur Hype??


Über Ray McGovern:

Ray McGovernRay McGovern ([email protected]) war Offizier in der US-Armee und dann 27 Jahre lang Auswerter bei der CIA; während dieser Zeit war er Leiter der Abteilung Sowjetische Außenpolitik und später Berichterstatter an den Präsidenten während der ersten Amtszeit von Präsident Reagan. aa

a

aaa

qaa


Um das acTVism Munich Interview mit Ray McGovern zu sehen, klicken Sie hier.


Copyright © 2016, The Baltimore Sun, a Baltimore Sun Media Group publication Deutsche Übersetzung: Tim Slater


Spenden Sie, um unser Event mit Edward Snowden zu unterstützen!

snowden_event__munich_pop

Für unser kommendes Event mit Edward Snowden und vielen weiteren Experten benötigt acTVism Munich e.V. Ihre Unterstützung!

Wir möchten das Event per Live-Stream übertragen und es aufzeichnen, um es kostenlos in Englisch und Deutsch in den sozialen Netzwerken verfügbar zu machen. Mit einer Spende können Sie dabei helfen, dies zu realisieren: Klicken Sie hier oder auf das folgende Bild.

Banner Spende Webseite_D


INSTAGRAM
RSS
FACEBOOK
FACEBOOK
TWITTER
Visit Us
YOUTUBE
YOUTUBE

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.