Black Lives Matter – Warum die Systemfrage für die Bekämpfung des Rassismus relevant ist | Zain Raza

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Black Lives Matter – Warum die Systemfrage für die Bekämpfung des Rassismus relevant ist | Zain Raza


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Black Lives Matter.

Black Lives Matter vor allem, wenn es um den Machtmissbrauch eines Staates geht, dessen Gründung tief in Rassismus, Segregation und Ausbeutung verwurzelt ist. Jeden Tag stoße ich auf Videos aus den Vereinigten Staaten, in denen ein Schwarzer von der Polizei ungerecht behandelt, misshandelt oder gar erschossen wird. In den meisten, wenn nicht in allen Fällen hätte die Situation auf menschlichere und zivilisierte Weise gelöst werden können.

Die gegenwärtige Dynamik des Aktivismus bietet die Gelegenheit, sich mit umfassenderen systemischen Problemen auseinanderzusetzen, die sich direkt oder indirekt auf die Frage der Rassenungerechtigkeit auswirken – eine Ungerechtigkeit, mit der die schwarze Gemeinschaft jeden Tag konfrontiert ist und zu kämpfen hat. Martin Luther King jr. verstand diesen Zusammenhang sehr gut und erweiterte deshalb seine Sichtweise der sozialen Gerechtigkeit von Rassenfragen auf systemische Fragen, insbesondere auf die Militarisierung und die Wirtschaft. Hier sind einige Zitate von MLK Jr., die diesen Zusammenhang deutlich machen:

“Wir müssen erkennen, dass wir unser Problem nicht lösen können, solange es keine radikale Umverteilung der wirtschaftlichen und politischen Macht gibt… das bedeutet eine Revolution der Werte und anderer Dinge. Wir müssen jetzt erkennen, daß die Übel des Rassismus, der wirtschaftlichen Ausbeutung und des Militarismus alle miteinander verbunden sind… man kann nicht wirklich das eine loswerden, ohne die anderen loszuwerden… die gesamte Struktur des amerikanischen Lebens muß verändert werden. Amerika ist eine heuchlerische Nation und [wir] müssen [unser] eigenes Haus in Ordnung bringen”.

Quelle: Bericht an den SCLC-Stab, Mai 1967.

“Man kann nicht über die Lösung des wirtschaftlichen Problems des Negers sprechen, ohne über Milliarden von Dollar zu sprechen. Man kann nicht über die Beendigung der Slums sprechen, ohne vorher zu sagen, dass der Profit aus den Slums genommen werden muss. Sie mischen sich wirklich ein und begeben sich auf gefährlichen Boden, weil Sie sich dann mit den Menschen anlegen. Sie legen sich mit den Industriekapitänen an. Nun bedeutet dies, dass wir in schwieriges Fahrwasser geraten, denn es bedeutet wirklich, dass wir sagen, dass mit dem Kapitalismus etwas nicht stimmt”.

Quelle: Rede von MLK Jr. vor seinem Stab, 1966.

Solange wir den Ungerechtigkeiten, die sich aus unserem wirtschaftlichen und militärischen System ergeben, nicht entgegenwirken, werden wir meiner Meinung nach bestenfalls nur kosmetische Veränderungen bewirken. Es werden populistische Figuren auftauchen, die vorgeben werden zu verstehen, die vorgeben werden, sich darum zu kümmern. Sie werden so tun, als ob sie die Probleme lösen wollten. Ein klassisches Beispiel dafür ist der ehemalige US-Präsident Barack Obama, dessen Charisma und Charme ausreichte, um diejenigen zu befriedigen, die nach oberflächlichen Veränderungen hungerten. In Wirklichkeit aber entwickelten und blühten progressive Bewegungen wie Occupy (die den Grundstein für Persönlichkeiten wie Bernie Sanders legten) und Black Lives Matter während der Amtszeit Obamas und haben nun ein weltweites Publikum erreicht. Hätte sich Obama während seiner Präsidentschaftskampagne mit den zugrunde liegenden systemischen Fragen befasst, für die er eintrat, hätten wir meiner Meinung nach nicht erlebt, dass Persönlichkeiten wie Donald Trump an die Macht gekommen wären. Tatsächlich hat Obama zu einem System beigetragen, welches das politische Spektrum weiterhin nach rechts drängt. Dieser Rechtsruck wirkt sich auf alle unsere Institutionen aus. Unter Anderem auch auf die Polizei – daher sollte es uns nicht überraschen, dass sich Polizeigewalt weiterhin manifestiert, obwohl in der Vergangenheit so viele Videos/Leaks aufgetaucht sind, die sie entlarven. Die Frage “Wann wird das enden?” muss auf einer tieferen Ebene untersucht werden – beginnend mit den Wurzeln.

Ein Wirtschaftssystem, das gerecht ist, und eine Außenpolitik, die friedlich ist, wird Billionen von Dollar freisetzen, die im Inland investiert werden können, um das Leben von Millionen von Menschen zu verbessern – insbesondere für Farbige -, die Studien zufolge seit dem Absturz von 2008 wirtschaftlich am härtesten getroffen wurden. Sie wird Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen, kommunale Institutionen stärken, Stress und Kriminalität reduzieren, usw. Dies wird keinen “trickle down”- oder “trickle up”-Effekt haben, sondern, was noch wichtiger ist, es wird einen “Sprinkle Effekt” auf unsere Gesellschaft haben, die sich indirekt oder direkt auf Ungerechtigkeiten aller Art in allen Facetten unserer Gesellschaft auswirken wird. Das ist es, was Martin Luther King Jr. meiner Meinung nach gesehen hat, als er den Begriff der sozialen Gerechtigkeit erweitert hat. 

Ich möchte diesen Text beenden, indem ich Licht auf die ersten 10 Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte werfe, die am 10. Dezember 1948 in Paris angenommen wurden (auch von den USA). Es ist wichtig, unsere Staaten und unsere Institutionen an die universellen Prinzipien zu erinnern, die sie zu wahren versprachen:

Artikel 1 (Freiheit, Gleichheit, Solidarität)

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Solidarität begegnen.

Artikel 2 (Verbot der Diskriminierung)

Jeder Mensch hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeinen Unterschied, etwa aufgrund rassistischer Zuschreibungen, nach Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.

Des Weiteren darf kein Unterschied gemacht werden aufgrund der politischen, rechtlichen oder internationalen Stellung des Landes oder Gebiets, dem eine Person angehört, gleichgültig ob dieses unabhängig ist, unter Treuhandschaft steht, keine Selbstregierung besitzt oder sonst in seiner Souveränität eingeschränkt ist.

Artikel 3 (Recht auf Leben und Freiheit)

Jeder Mensch hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.

Artikel 4 (Verbot der Sklaverei und des Sklavenhandels)

Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden; Sklaverei und Sklavenhandel sind in allen ihren Formen verboten.

Artikel 5 (Verbot der Folter)

Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.

Artikel 6 (Anerkennung als Rechtsperson)

Jeder Mensch hat das Recht, überall als rechtsfähig anerkannt zu werden.

Artikel 7 (Gleichheit vor dem Gesetz)

Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich und haben ohne Unterschied Anspruch auf gleichen Schutz durch das Gesetz. Alle haben Anspruch auf gleichen Schutz gegen jede Diskriminierung, die gegen diese Erklärung verstößt, und gegen jede Aufhetzung zu einer derartigen Diskriminierung.

Artikel 8 (Anspruch auf Rechtsschutz)

Jeder Mensch hat Anspruch auf einen wirksamen Rechtsbehelf bei den zuständigen innerstaatlichen Gerichten gegen Handlungen, durch die die ihm nach der Verfassung oder nach dem Gesetz zustehenden Grundrechte verletzt werden.

Artikel 9 (Schutz vor Verhaftung und Ausweisung)

Niemand darf willkürlich festgenommen, in Haft gehalten oder des Landes verwiesen werden.

Artikel 10 (Anspruch auf faires Gerichtsverfahren)

Jeder Mensch hat bei der Feststellung der eigenen Rechte und Pflichten sowie bei einer gegen ihn erhobenen strafrechtlichen Beschuldigung in voller Gleichheit Anspruch auf ein gerechtes und öffentliches Verfahren vor einem unabhängigen und unparteiischen Gericht.


Anmerkung: Dieser Bericht spiegelt nicht unbedingt die redaktionelle Haltung von acTVism Munich wieder.


VIDEOEMPFEHLUNG: Demonstrationen in München und Berlin gegen Rassismus und Polizeibrutalität


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ÜBER ZAIN RAZA

Zain Raza - tagesschauZain Raza ist Gründer und leitender Redakteur von acTVism Munich. Er ist Journalist, Aktivist und Kulturveranstalter in München. Als Aktivist war er an der Organisation einer Reihe von Demonstrationen in München beteiligt, unter anderem an March Against Monsantound als Kulturveranstalter hat er Hunderte von Menschen durch sein Event “Pakistani on the Menu” zusammengebracht, welches Essen, Kunst und Musik vieler verschiedener Kulturen präsentiert. Als Autor und Journalist fokussierte er seine Recherche auf politische und wirtschaftliche Themen, die zwischen 2011 und 2013 im Tribune Express veröffentlicht wurde. 2013 gründete Raza acTVism Munich e.V. – ein unabhängiges, gemeinnütziges und basisdemokratisches Onlinemedium in zwei Sprachen. Seit der Gründung hat Raza die Produktion von mehr als 450 Videos geleitet und beaufsichtigt, zu denen Interviews und Events mit Experten wie Edward Snowden, Wikileaks, Noam Chomsky, Rainer Mausfeld, Gerald Hüther, Yanis Varoufakis, Glenn GreenwaldDaniel EllsbergFrans de Waal, Jeremy Scahill, Jürgen TodenhöferNils Melzer Ernst Wolff, Peter Kuznick, Michael Shermer, Jill Stein, Medea Benjamin, Katja Kipping, Hans-Christian Ströbele, Richard D.Wolff, William Binney, Lawrence Wilkerson, Ray McGovern, Thomas Drake, Abby Martin, Annie Machon und vielen weiteren zählen. Klicken Sie hier oder hier, um mehr über Zain Raza und seine Arbeit zu erfahren.

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  1. Racism is deep-rooted within the US institutional machine at all aspects of life since the European man set foot on that stolen land.
    We’re talking about unwinding nearly 300 years of mischievous events and present it to every white American to realise what their ancestors have done, so that their nation understands the depth of the problem and how afro Americans had and still suffer in the hands of this racist and ruthless institution. The work is at the root and not just inject money to improve the lives of this segregated community. In this case we’re just treating the symptoms and not the problem.

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